Sinn, Zweck und korrekte Verwendung von Überschriften (H1-H6) in SEO
In diesem Artikel soll es um fast vergessene SEO-Basics gehen: HTML-Überschriften, allerdings werde ich das Thema sowohl für Einsteiger als auch mit hoffentlich spannenden Erkenntnissen für erfahrene SEOs aufbereiten und, anders als so oft, Quellen aufzeigen, aus denen ich meine Behauptungen entnehme oder ableite.
H1- bis H6-Überschriften sind elementar wichtig für Suchmaschinenoptimierung wie auch für AI Search, GEO, LLMO oder wie auch immer dies aktuell genannt wird. Wie wichtig H-Überschriften in SEO sind, verdeutliche ich mit einer Analogie.
Stellen Sie sich vor, Sie befänden sich wieder im Studium und haben einen dicken Wälzer vor sich liegen. Sie öffnen das Buch und navigieren auf den ersten Seiten zum Inhaltsverzeichnis, um das für Ihre Lerneinheit relevante Kapitel zu finden. Aber merkwürdigerweise existiert kein Inhaltsverzeichnis. Schlimmer noch, auf dem Buchcover steht nur Fließtext, kein Titel – Sie wissen also nicht einmal, ob Sie das richtige Buch in der Hand haben, geschweige denn auf welcher Seite das gesuchte Kapitel beginnt.
Ungefähr vor solch einem Problem stehen Suchmaschinen-Crawler, wenn Sie sich auf einer Webseite ohne H-Überschriften befinden. Es fällt Ihnen schwer, das Thema der URL zu identifizieren und den Inhalt in die so wichtigen logischen Blockeinheiten zu unterteilen. Warum dies für Suchmaschinen, LLMs und letztlich auch den Nutzer ein Problem ist, erkläre ich in diesem Artikel.
Bedeutung von Überschriften aus Google-Perspektive: die durch Google-Quellen belegbaren Fakten
Immer wenn ich SEOs über H-Überschriften sprechen höre oder schreiben sehe, geht es darum, möglichst viele richtige Keywords in Überschriften zu integrieren. Doch diese veraltete Sichtweise verkennt den eigentlichen Zweck: Struktur.
In der gegenwärtigen Suchmaschinenoptimierung sind Ranking-Vorteile durch H-Tags oft eher eine direkte Folge einer logischen Dokumentenstruktur als das Ergebnis von bloßem „Keyword-Stuffing“, was nebenbei gesagt grundsätzlich unterlassen werden sollte.
Was HTML-Überschriften und deren Bedeutung für effektive Suchmaschinenoptimierung anbelangt, möchte ich gerne auf drei Quellen bzw. Konzepte aus dem Hause Google verweisen:
Search Quality Rater Guidelines & Q*
Googles Algorithmen sind darauf ausgelegt, Inhalte zu belohnen, die dem Nutzer helfen. Dies ist leider eine sehr abstrakte Aussage, deswegen will ich diese konkretisieren.
Googles hauseigene Machine-Learning-Algorithmen werden durch die sogenannten menschlichen Quality Rater trainiert, die einem strengen Regelwerk folgen müssen, wenn diese händisch einzelne URLs hinsichtlich ihrer Qualität bewerten. Wer sich nun wundert, dass ein Unternehmen wie Google tatsächlich noch den profanen Weg menschlicher Qualitätsbewertungen beschreitet, dem sei gesagt: Ja, Google tut genau dies durch derzeit circa 16.000 Quality Rater weltweit.
Die Bewertungen der Google Quality Rater liefern gewissermaßen die Datengrundlage für Googles Qualitätsbewertungen, die wir SEOs gerne als „E-E-A-T“ (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trust) beschreiben und in Googles Qualitätssystem Q* (gesprochen: Q Star) münden.
Wenn Sie es einem Nutzer oder Quality Rater also durch die Verwendung von HTML-Überschriften leicht machen, den Inhalt Ihrer Seite (schnell) zu scannen und zu verstehen, wird dies positive Nutzersignale erzeugen, die sich dank Googles Q* nachhaltig positiv auf Ihre Rankings auswirken werden.
Eine ganz konkrete Dimension, nach der Quality Rater Seiteninhalte zu bewerten haben, ist beispielsweise „Effort“, welches als „contentEffort score“ übrigens auch in Googles Content Warehouse API Leak Erwähnung findet.
So heißt es in den Guidelines: „Consider the extent to which a human being actively worked to create satisfying content.”; und sich die Mühe zu machen, Inhalte durch Überschriften logisch und hierarisch zu strukturieren, dürfte augenscheinlich darunterfallen.
Der Gerichtsprozess „U.S. v. Google“: ABC-Signale & Answer Passages
Dass wir über Googles Q*-System mittlerweile einigermaßen Bescheid wissen, verdanken wir dem großen Kartellprozess in den USA. Google-Ingenieure selbst waren es, die von Q* sprachen, wie interne Dokumente belegen. Neben dem Qualitätssystem Q* existiert aber auch noch das T*-System, welches „Topicality“ meint und faktisch das Relevanzsystem im Google-Suchkosmos darstellt.
T* setzt sich aus den sogenannten ABC-Signalen zusammen:
- Anchors (Ankertexte)
- Body (Hauptinhalt)
- Clicks (Nutzerinteraktion)
Aus Aussagen im Verfahren geht hervor, dass die verwendeten Wörter im Main Content (Body) von Suchmaschinen besonders betrachtet werden, um den thematischen Schwerpunkt bzw. die Relevanz des Inhalts für spezifische Suchanfragen einzuordnen.
Pandu Nayak (Google VP of Search) sagte im Oktober 2023 aus. Er wurde zur Bedeutung der sogenannten Topicality-Signale befragt. Seine Kernaussage war, dass Google zwar hunderte komplexe Signale nutzt (wie Klickdaten oder Links), die Wörter auf der Seite aber immer noch das fundamentale Basissignal für die Relevanz einer Seite zu einer Suchanfrage sind.
Das Zitat im Wortlaut (Seite 66):
„The signals vary on a number of different dimensions. It starts with the most basic and in some ways the most important signal, which is just the words on the page. The words on the page are actually kind of crucial, and that's where the index comes in.”
Ein in diesem Sinne erwähnenswertes Patent ist „Context scoring adjustments for answer passages“. Das Patent erklärt, dass Google für jede Passage einen Überschriftenvektor erstellt. Dieser Vektor repräsentiert nicht nur eine einzelne Überschrift, sondern einen Pfad von der ersten Überschrift (H1) bis zu einer spezifischen oder letzten Unterüberschrift (z. B. H3).
Das Patent definiert, dass der Inhalt unter einer Überschrift als ein logischer Block betrachtet wird. Eine klare Überschrift signalisiert: Hier beginnt ein neues Thema bzw. ein anderer Kontext. Wenn die Überschrift thematisch präzise formuliert ist, kann Google den darunterliegenden Text viel besser als eigenständige semantische Einheit isolieren und weiterverarbeiten.
„We do use H tags to understand the structure of the text on a page better.”
John Mueller (2015)
Anders gesprochen: Ohne Überschriften muss Google mehr Ressourcen aufwenden und fällt es insgesamt schwerer, den Seiteninhalt einer URL zu analysieren und thematisch bzw. kontextuell zuzuordnen.
Der Nutzen von Überschriften aus Nutzerperspektive
Wir wissen nun also, dass Überschriften für Google wichtig sind. Dies muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass sich Rankings verschlechtern, werden keine semantischen H-Überschriften verwendet, aber das Fehlen könnte das maximale SEO-Potential des Contents herabsetzen. Um es wieder in den Worten von John Mueller zu sagen: „We do give it a slight boost if we see a clear heading on a page because we can understand this page is clearly about this topic."
Wie aber profitieren Nutzer vom Einsatz von Headings? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns das heutige Nutzerverhalten anschauen, wenn es um digitale Inhalte geht, insbesondere auf Smartphones; und hier müssen wir uns einer unangenehmen Wahrheit stellen: Niemand liest Ihren Text, wohl auch diesen nicht. Zumindest nicht so, wie Sie es sich oder ich es mir wünschen würde.
Wir leben in einer dynamischen Aufmerksamkeitsökonomie. Nutzer lesen Webseiten nicht wie einen Roman von vorne bis hinten, Wort für Wort. Sie scannen. Sie jagen nach Informationen. Überschriften sind in diesem Prozess sozusagen die Ankerpunkte.
Überschriften fungieren als Stopp-Schilder im Scroll-Fluss
Eine bemerkenswerte Untersuchung von Dan Petrovic hat dieses Verhalten eindrucksvoll unter Beweis gestellt. In einem Experiment wurde das Nutzerverhalten auf Webseiten analysiert, und die Ergebnisse bestätigen meine obige Unterstellung.
Der Großteil der Nutzer überspringt den Einleitungstext komplett. Sobald die Seite geladen ist, beginnt das sofortige Scrollen. Der Nutzer sucht unmittelbar nach der Antwort auf seine Frage oder nach einem spezifischen Informationskontext. Interessanterweise gilt dies sogar für solche Nutzer, die von sich selbst behaupten, sie würden alles lesen. Die Wahrheit ist: Der Großteil verhält sich wie ein „Skimmer".
Petrovic fand heraus, dass Nutzer in einen Modus schalten, den man als „Information Foraging" (Informationsbeschaffung) bezeichnen könnte. Sie überfliegen den Inhalt in rasantem Tempo, welches sich nur durch visuelle Anker entschleunigt.
Genau diese Funktion übernehmen H-Überschriften. Wenn ein Nutzer über eine Seite scrollt, verschwimmt der Fließtext zu einem grauen Block. Überschriften (die sich durch Größe und Fettschrift abheben) sind Elemente, die in diesem Prozess aktiv wahrgenommen werden.
Sie fungieren als Versprechen: „Hier steht das, was du suchst." Fehlen diese Anker, scrollt der Nutzer weiter -- oder schlimmer: Er verlässt die Seite. Eine sinnvolle und aussagekräftige Überschriftenstruktur und -Formulierung reduziert also kognitive Last. Sie erlaubt es dem Gehirn des Nutzers, irrelevante Informationen effizient auszufiltern und nur dort Energie aufzuwenden, wo es sich lohnt.
Überschriften-Hierarchien und deren semantische Bedeutung
Sprechen wir von Überschriften eher aus technisch-semantischer Perspektive, dienen Heading-Tags dem Zweck, einer Maschine Angaben darüber zu machen, dass ein eingeschlossener Textabschnitt zum einen überhaupt als Überschrift fungiert und zum anderen der Information darüber, in welcher Beziehung diese Überschrift zu anderen Überschriften der Seite steht, kurzum sind sie also Strukturangaben.
Insgesamt sind sechs Hierarchie-Stufen für Überschriften definiert, von H1 über H2 und H3 sowie H4 und H5 bis abschließend H6. Aus Sicht ihrer semantischen Funktion kommen den Überschriften H1 und H2 zweifelsohne die größte Bedeutung zu.
Zusammenfassend lassen sich die semantischen Rollen wie folgt definieren:
- H1: sozusagen der Titel des Dokuments, vergleichbar mit einem Buchtitel; die H1 bestimmt das Hauptthema einer Webseite
- H2: H2-Überschriften zeichnen größere inhaltliche Abschnitte des Hauptthemas aus der H1 aus, vergleichbar mit Kapiteln in einem Buch
- H3: Diese Überschriften sind gewissermaßen Unterkapitel der übergeordneten H2-Kapitel
- H4-H6: H4-, H5- und H6-Überschriften können absteigend übergeordnete Überschriften nochmal unterteilen, falls dies notwendig sein sollte. In der Regel passiert dies nur bei sehr detaillierten und komplexen Inhalten, weswegen diese H-Tags selten verwendet werden
Überschrift und Textabschnitt als semantische Einheiten (Passages)
Nicht nur in SEO durch Passage Indexing, sondern auch für AI Search sind Überschriften und darunterliegende Textabschnitte als kontextuelle, semantische Einheiten zu verstehen.
Passage Indexing bezeichnet eine von Google eingeführte Weiterentwicklung der Indexierung, bei der nicht mehr ausschließlich ganze Dokumente als eine Einheit bewertet werden, sondern auch einzelne inhaltlich abgeschlossene Textpassagen innerhalb einer Seite eigenständig für Suchanfragen herangezogen werden können.
HTML-Überschriften haben zwar keine direkte Rankingwirkung, sind aber hochrelevant für die Segmentierung und Interpretation von Text-Passagen. Beispielsweise nutzt Google den Kontext einer Überschrift, um die Bedeutung des zugehörigen Textabschnitts in den richtigen Wissensbereich einzuordnen.
KI-Chatbots und das Problem des begrenzten Kontextfensters
LLMs wie ChatGPT oder Googles Gemini zerlegen ganze Texte in für sie „konsumierbare" Texteinheiten, sogenannte Chunks.
Hierbei stoßen wir auf eine technische Notwendigkeit: KI-Modelle haben keine unendliche Aufmerksamkeitsspanne. Sie arbeiten mit begrenzten Kontext-Fenstern und müssen Informationen effizient speichern, um sie abrufen zu können. Ein langer Fließtext ohne Unterbrechung ist für eine Maschine schwer zu verarbeiten, da der Kontext über die Länge des Textes verloren gehen kann oder die „Chunk-Größe" -- also die Menge an Text, die am Stück analysiert wird -- überschritten wird.
Überschriften fungieren hier als harte technische Trennzeichen. Sie geben der Maschine vor, wo ein thematischer Block endet und ein neuer beginnt. So wird aus einem unstrukturierten Textbrei eine strukturierte Form semantisch zusammenhängender Einheiten.
Die besondere Rolle der H1-Überschrift für SEO
Der H1-Tag ist zweifelsohne der wichtigste Akteur im Ensemble der Überschriften, aber er ist auch Gegenstand der größten Verwirrung und hitzigster Debatten. Um hier Klarheit zu schaffen, lohnt sich erneut ein Blick auf die Faktenlage.
Die H1 sollte stets als der eigentliche sichtbare Titel des Dokuments bzw. der Webseite fungieren. Ihr Zweck ist es, den Hauptinhalt (den sogenannten Main Content; MC) der spezifischen Seite präzise und unmissverständlich zu beschreiben.
Dies ist eine etablierte SEO-Regel und wird obendrein direkt durch Googles Quality Rater Guidelines validiert. Dort heißt es explizit, dass zum Hauptinhalt auch der Titel oben auf der Seite gehört und, aus dem Englischen übersetzt, „aussagekräftige Titel des Hauptinhalts es den Nutzern ermöglichen, fundierte Entscheidungen darüber zu treffen, welche Seiten sie besuchen."
Gut zu wissen:
Verwechseln Sie nicht Title-Tag und H1-Tag. Der <title>-Tag befindet sich im <head> des HTML,
ist auf der Seite selbst nicht sichtbar (nur im Browser-Tab) und dient primär als Überschrift für das
Suchergebnis in Google. Der <h1>-Tag ist Teil des <body>, also für den Nutzer auf der Seite sichtbar.
Darf eine Seite mehr als eine H1-Überschrift haben?
Fragt man Google -- oder spezifisch John Mueller --, nach der Verwendung mehrerer H1-Überschriften auf einer Seite, lautet die Antwort oft pragmatisch: „Verwenden Sie so viele, wie Sie möchten." Dieser Aussage liegt eine sehr fachtheoretische Begründung zugrunde, die auf den „Document Outline Algorithm" verweist, womöglich aus strenger technischer Sicht auch korrekt sein mag, aber irgendwie auch unnötig ist.
Denn wenn wir festlegen, dass die H1 das Hauptthema eines Dokuments artikuliert, warum sollte ich dies denn mehrmals auf der Seite tun? Warum sollte ich das Risiko eingehen, dass eine Maschine dadurch verwirrt wird?
Einem Buch würde ich zwischendrin doch auch nicht mehrere andere neue Titel geben. Ferner bekommen Screenreader durch mehrere H1-Überschriften auf alle Fälle Probleme, was die Barrierefreiheit eines Textes stark beeinträchtigen würde. Summa summarum bedeutet dies: Bleiben Sie bei einer einzigen H1 pro Seite.
Darf Text vor bzw. über der H1-Überschrift stehen?
Dies ist eine häufige Frage, und prinzipiell nicht gut zu beantworten, denn ich habe von Google selbst dazu keine Aussage bekommen. Ich allerdings empfehle, die H1 auf der Seite als ersten Textbaustein des Main Contents zu setzen. Grund dafür sind eher theoretische Überlegungen.
Auch hier möchte ich wieder meinen Buchvergleich bemühen. Auf dem Cover jedes Buches steht der Titel, alles andere kommt danach. Warum sollte auch Text vor einem Titel stehen? Welchen Mehrwert hätte dies? Selbst einen Klappentext, Rezensionen oder Kommentare zu einem Buch findet man innerhalb desselben.
Wie gesagt ist die H1 das Element, aus dem Google maßgeblich das Hauptthema der Seite ableitet. Es würde mich nicht wundern, wenn Google den Text vor einer H1 komplett ignoriert. Mein Tipp lautet demnach: Keinen Text vor die H1 setzen.
So formulieren und strukturieren Sie H-Überschriften richtig – mit Beispielen
Eine wichtige Sache, die ich bislang noch nicht direkt erwähnt, sondern nur implizit angesprochen habe, ist die Regel, keine Hierarchiestufen zu überspringen. Dies bedeutet nicht, dass man -- mit Ausnahme der H1 -- nicht mehrere H2-, H3- oder andere Hierarchiestufen verwenden darf, man sollte nur keine überspringen.
Zu dieser Regel zählt im Sinne der Lesbarkeit auch, dass man idealerweise nicht direkt unter einer Überschrift eine weitere Überschrift setzt. Zwischen zwei unterschiedlichen Hierarchiestufen sollte nach Möglichkeit immer ein kurzer, einleitender Textabschnitt stehen. Dies hilft nicht nur dem Nutzer beim Verständnis, sondern gibt auch Suchmaschinen sofort den nötigen Kontext für das folgende Unterkapitel.
All dies geht einher mit einer logischen, aufeinander aufbauenden inhaltlichen Gliederung. Grund hierfür ist die Tatsache, dass, wie bereits oben erwähnt, Google einen sogenannten Überschriftenvektor erstellt. Eine unsaubere Hierarchie und logische (Rück-)Sprünge würden dazu führen, dass der Kontextfluss bricht.
Um dies zu verdeutlichen, zeige ich ein gutes und schlechtes Beispiel. Wir starten mit dem schlechten:
<h1>Deutschlands beliebteste Reisedestinationen von Einheimischen</h1>
<h3>Die Gemeinde Stockelsdorf</h3>
<h2>Das Bundesland Schleswig-Holstein</h2>
<h4>Die Hansestadt Lübeck</h4>
<h2>Das Bundesland Bayern</h2>
Gut an diesem Beispiel wäre, dass es nur eine H1 gibt, die das Thema des theoretischen Artikels eindeutig artikuliert. Schlecht allerdings, dass direkt nach der H1 eine H3-Überschrift kommt und keine H2. Dies bricht die Hierarchie.
Ebenfalls unvorteilhaft ist die Zuteilung der Hierarchien zu den Überschrifttexten selbst: Wie wir sehen können, werden im Text sowohl Bundesländer als auch eine Stadt und Gemeinde genannt. Wer sich örtlich etwas auskennt, wird wissen, dass Lübeck sich in Schleswig-Holstein befindet, ebenso die Gemeinde Stockelsdorf, die allerdings keine Stadt ist.
Eine logische Ordnung mit sauberer Hierarchie würde diese Zusammenhänge abbilden, und zwar wie folgt (zur besseren Übersicht habe ich untergeordnete Überschriften versetzt angeordnet):
<p>Text</p>
<h2>Das Bundesland Schleswig-Holstein</h2>
<p>Text</p>
<h3>Die Hansestadt Lübeck</h3>
<h3>Die Gemeinde Stockelsdorf</h3>
<p>Text</p>
<h2>Das Bundesland Bayern</h2>
<p>Text</p>
Die Ordnung wäre also Land > Bundesland > Stadt/Gemeinde. Vielleicht fragen Sie sich, warum Die Gemeinde Stockelsdorf keine H4 bekommt, da sie ja als Gemeinde unterhalb einer Stadt steht nach unserer definierten Logik. Dies wäre in diesem Fall aber nur richtig, wenn Stockelsdorf als Gemeinde ein Teil von Lübeck wäre - ist es aber nicht. In diesem Fall ist Die Gemeinde Stockelsdorf eine Unterordnung zum Bundesland Schleswig-Holstein und sollte deswegen eine H3 erhalten.
Überschriften sollten den Hauptzweck formulieren
Was ich selbst bei einigen erfahrenen SEOs und Copywritern häufig erlebe, ist eine nicht optimale Formulierung von Überschriften. Hierzu gibt es im Google Developer Documentation Style Guide sogar konkrete Tipps:
„Write document titles based on the primary purpose of the document. If a document is primarily a tutorial, but it has a conceptual introduction, write a task-based title. Write section headings based on the type of content that's in the section."
Konkret bedeutet dies, dass Verben oder Nomen, die in einer Überschrift verwendet werden, den Hauptzweck und, wenn möglich, auch das Format des Main Contents widerspiegeln sollten. Auch hierzu einige Beispiele:
Nehmen wir an, ein Artikel ist als eine Art How-to bzw. Tutorial oder Anleitung konzipiert. In diesem Fall sollte die Hauptüberschrift des Artikels und ggf. auch Unterüberschriften Imperative enthalten. Ein gutes Beispiel dafür für das Thema dieses Artikels wäre:
Setzen Sie Überschriften (H1-H6) in SEO richtig ein
Im Deutschen würde ich so weit gehen, auch modale Satzkonstruktionen bzw. Indikativ-Konstruktionen mit „so" formulieren zu können oder alternativ indirekte Fragesätze, die den Hauptsatz auslassen, man spricht von einer Ellipse:
So setzen Sie Überschriften (H1-H6) in SEO richtig ein oder Wie Sie Überschriften (H1-H6) in SEO richtig einsetzen
Geht es weniger darum, eine konkrete Anleitung zu geben, sondern ist ein Text eher als konzeptionelle Ausarbeitung zu verstehen, würden ich und so auch Google zur Substantivierung raten:
Die richtige Verwendung von H-Überschriften
Style Guide: technische und stilistische Dos & Don’ts für Überschriften
Abseits der rein semantischen Hierarchie und der inhaltlichen Ausrichtung gibt es noch eine Reihe eher technischer und stilistischer Feinheiten, die oft übersehen werden. Auch hierfür lohnt sich ein Blick in den „Google Developer Documentation Style Guide".
Zwar richten sich diese Vorgaben primär an technische Redakteure, die Dokumentationen schreiben, doch die dort genannten Prinzipien lassen sich fast 1:1 auf hochwertige SEO-Texte übertragen, um Lesbarkeit und Maschinenverständnis zu optimieren.
Design vs. Struktur: Nutzen Sie CSS statt H-Tags
Ein Fehler, den ich in Site-Audits immer wieder sehe, ist die Zweckentfremdung von H-Tags für rein optische Zwecke. Das Szenario ist meist folgendes: Ein Redakteur schreibt einen Text und findet, dass die H2-Überschrift optisch „zu wuchtig" wirkt. Also greift er stattdessen zu einer H4, weil diese kleiner und dezenter dargestellt wird. Google rät hiervon explizit ab:
„To change the visual formatting of a heading, use CSS rather than using a heading level that doesn't fit the hierarchy."
Wenn Ihnen die Schriftgröße Ihrer H2 nicht gefällt, ändern Sie das Stylesheet (CSS) der Webseite, aber zerstören Sie nicht die logische Dokumentenstruktur, nur um eine visuelle Änderung zu erzielen. Eine H4 signalisiert der Suchmaschine eine tiefe Verschachtelung, die inhaltlich an dieser Stelle vielleicht gar nicht existiert.
Keine Links in Überschriften
Vermeiden Sie es, Überschriften zu verlinken. Google begründet dies mit der Usability: Ein Link in einer Überschrift kann leicht mit einer stilistischen Hervorhebung verwechselt werden. Der Nutzer erwartet bei einer Überschrift Struktur, keinen Klick-Pfad.
Aus SEO-Sicht kommt hinzu: Ein Link in der Überschrift zweckentfremdet den Sinn einer Überschrift und lenkt Aufmerksamkeit von der Seite weg, auf der der Nutzer gerade ist. Wenn Sie auf weiterführende Inhalte verweisen wollen, tun Sie dies im Fließtext unter der Überschrift.
Abkürzungen und Code-Elemente nur bedingt einsetzen
Gerade in technischen Nischen oder B2B-Bereichen neigen Autoren zu Fachjargon und Abkürzungen in Überschriften. Hier mahnt Google zur Vorsicht: Verwenden Sie Abkürzungen im Page Title oder in H-Überschriften nur dann, wenn die Abkürzung geläufiger ist als das ausgeschriebene Wort.
Für SEO ist dies eine Gratwanderung. Meine Empfehlung lautet: Nutzen Sie in der H1 und den wichtigen H2s tendenziell eher den ausgeschriebenen Terminus, um Eindeutigkeit für den Algorithmus zu schaffen.
Schlecht: <h2>Vorteile von LLMO</h2> (Wenn im folgenden Text direkt mit „LLMO bietet..." weitergemacht wird, ohne den Begriff zu erklären)
Richtig: <h2>Vorteile von LLMO</h2> „Large Language Model Optimization (LLMO) gewinnt als Teildisziplin der Suchmaschinenoptimierung immer mehr an Bedeutung. Dabei geht es darum, Inhalte so aufzubereiten, dass sie von KI-Modellen präzise erfasst werden können..."
Wenn Sie unbedingt eine Abkürzung nutzen möchten, muss diese spätestens im ersten Absatz des folgenden Fließtextes erklärt bzw. definiert werden. Sollten Sie über technische Themen schreiben und Code-Elemente in der Überschrift benötigen, stellen Sie diesen ein beschreibendes Substantiv zur Seite, um den Kontext zu wahren.
Schlecht: <h2>Das Attribut rel="canonical"</h2>
Richtig: <h2>Verwendung des Link-Attributs rel="canonical"</h2>
Durch das Hinzufügen von „Link-Attribut" weiß sowohl der menschliche Leser als auch der Crawler sofort, dass es sich um eine technische Eigenschaft eines Links handelt und nicht um einen bloßen Textfetzen oder einen Systembefehl.
Stilistik: Nummerierung und Satzzeichen weglassen
Zwei weitere Hinweise aus den Guidelines betreffen die „Hygiene" Ihrer Überschriften:
Verzichten Sie darauf, Ihre Kapitel manuell zu nummerieren (z. B. „2.1 Der Nutzen von Überschriften"). In modernen Web-Dokumenten ist dies meist unnötig, da die visuelle Hierarchie (Größe, Fettung) die Struktur bereits vorgibt. Nummerierungen blähen die H-Tags unnötig auf.
Verwenden Sie ferner Satzzeichen in Überschriften so sparsam wie möglich. Ein Doppelpunkt oder ein Punkt am Ende einer Überschrift ist in der Regel überflüssig. Wenn Ihre Überschrift so komplex ist, dass sie mehrere Satzzeichen benötigt, ist sie wahrscheinlich zu lang und sollte gekürzt werden.
Groß- und Kleinschreibung in Überschriften beachten
Google empfiehlt „Sentence Case" (normale Satzschreibweise) statt „Title Case" (im Englischen die Großschreibung jedes Wortes). Für uns im Deutschen ist dies ohnehin Standard, aber es ist ein guter Hinweis darauf, keine reinen Versalien (ALL CAPS) im HTML-Code zu hinterlegen.
Wenn Sie möchten, dass eine Überschrift optisch in Großbuchstaben erscheint, lösen Sie dies via CSS (text-transform: uppercase), schreiben Sie die Überschrift im HTML aber in korrekter deutscher Rechtschreibung. Das hilft Screenreadern bei der korrekten Aussprache und Suchmaschinen beim Verständnis der Wortarten.
Fazit: Überschriften sind mehr als nur Textformatierung
Überschriften sind das Rückgrat einer jeden Webseite. Sie sollten nicht dazu genutzt, Keywords willkürlich zu platzieren, wir haben nicht mehr 1995.
Verstehen Sie die Überschriftenstruktur als eine logische inhaltliche Landkarte für Mensch und Maschine. Während Google die semantische Hierarchie nutzt, um den thematischen Kontext des Main Contents zu verstehen und Passagen für Suchanfragen zu isolieren, fungieren Headings für Nutzer als überlebenswichtige Ankerpunkte beim „Scannen" der Seite nach den gesuchten Informationshappen.
Wer Überschriften strategisch einsetzt -- also auf eine saubere Hierarchie achtet, den Hauptzweck klar formuliert und technische Fallstricke vermeidet --, verbessert Performance-Werte wie zu hohe Absprungraten einer jeden URL. Eine gute Überschriftenstruktur ist damit eines der effektivsten Werkzeuge für eine effektive Content-Strategie.
Checkliste: Die perfekte SEO-Überschriftenstruktur
Nutzen Sie diese Liste als finale Qualitätskontrolle für Ihre Inhalte:
- Einzigartige H1: Jede Seite hat genau eine H1, die das Hauptthema (vergleichbar mit einem Buchtitel) klar benennt
- Logische Hierarchie: Keine Stufen überspringen (z. B. niemals eine H3 direkt nach einer H1)
- Zweckorientierte Formulierung:
- Tutorials/Anleitungen → Imperative oder „Wie Sie..."-Konstruktionen
- Konzeptionelle Texte → Präzise Substantivierung
- Semantische Blöcke: Jede Überschrift leitet einen inhaltlich passenden Textabschnitt ein. Vermeiden Sie „nackte" Header direkt untereinander
- Relevante Begriffe organisch einsetzen, kein Stuffing: Nutzen Sie relevante Begriffe organisch, um den thematischen Schwerpunkt zu signalisieren
- Struktur vor Design: Nutzen Sie H-Tags für die Gliederung, nicht für die Optik. Visuelle Anpassungen erfolgen ausschließlich per CSS
- Keine Links in Headings: Verlinkungen gehören in den Fließtext, nicht in die Überschrift
- Barrierefreiheit & Lesbarkeit:
- Keine manuelle Nummerierung der Kapitel
- Satzzeichen sparsam einsetzen
- Abkürzungen in Headings vermeiden (oder sofort im ersten Absatz auflösen)
- Keine „nackten" Code-Fragmente ohne beschreibendes Substantiv
- Kein Text vor der H1: Starten Sie den Main Content direkt mit der H1-Überschrift
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