Prompting-Tipps für menschlichere Texte mit ChatGPT
Woran erkennt man 2026 eigentlich noch einen KI-Text? An Rechtschreibfehlern jedenfalls nicht mehr, und auch die Logikbrüche, die ChatGPT in seinen ersten Jahren produzierte, sind weitgehend verschwunden. Die aktuellen Modelle von OpenAI, Anthropic oder Google schreiben grammatisch sauber, halten Vorgaben zu Länge und Format zuverlässig ein und formulieren auf Wunsch in jedem gewünschten Tonfall. Trotzdem braucht ein geübter Leser meist nur zwei Absätze, um zu merken, dass hier kein Mensch geschrieben hat.
Der Grund dafür liegt inzwischen weniger in Fehlern als in Konstruktionen. Sprachmodelle erzeugen Texte aus statistischen Mustern, und diese Muster sind über alle Themen hinweg erstaunlich gleichförmig: der Satz, der nach dem Doppelpunkt eine Pointe setzt, die Gegenüberstellung nach dem Schema „nicht X, sondern Y", der kurze Schlusssatz, der einen Absatz zuspitzt, die Aufzählung in exakt drei Gliedern. Kein einzelnes dieser Muster beweist eine maschinelle Herkunft, denn Menschen verwenden sie ebenfalls. Verräterisch wird erst die Häufung, also der dritte Doppelpunkt-Satz im selben Abschnitt oder der fünfte Absatz in Folge, der mit einer Zuspitzung endet.
Für die Arbeit mit ChatGPT bedeutet das zweierlei. Zum einen gilt weiterhin, was schon für die frühen Modelle galt: Ein Text wird nur so gut wie der Prompt und die Informationen dahinter. Zum anderen muss ein guter Prompt heute an einer anderen Stelle ansetzen als noch vor zwei Jahren, nämlich beim Satzbau und bei der Verbindung der Sätze untereinander, und nicht mehr allein bei Struktur und Wortwahl. Anhand eines durchgehenden Beispiels zeige ich, welche Anweisungen einen ChatGPT-Text Schritt für Schritt menschlicher machen, und an welcher Stelle das Prompting an seine Grenze kommt.
Typische Muster unbearbeiteter ChatGPT-Texte
Die Muster, an denen sich ein unbearbeiteter ChatGPT-Text heute zu erkennen gibt, liegen auf fünf Ebenen:
- Rhetorische Zuspitzung: Absätze enden mit einem kurzen Schlusssatz, der die Aussage pointiert, statt sie zu begründen oder einzuschränken. Dazu kommen Doppelpunkt-Sätze nach dem Muster „Das Problem: ...", Gegenüberstellungen wie „Es geht nicht um X, sondern um Y" in Serie sowie Dreierreihen bei Adjektiven, Argumenten und Zwischenüberschriften.
- Gleichförmiger Satzbau: Nahezu jeder Satz beginnt mit dem Subjekt, und die Sätze werden aneinandergereiht statt verkettet. Zwischen den Aussagen fehlen Rückverweise wie „dadurch", „diese Regel" oder „aus diesem Grund". Stattdessen kleben additive Überleitungen wie „darüber hinaus" oder „zudem" die Absätze zusammen. Hinzu kommen Gedankenstriche als Einschub, oft mehrfach je Absatz.
- Verdichtung: Mehrere Informationen werden in ein abstraktes Substantiv, eine Apposition am Satzende oder ein spontan gebildetes Kompositum gepresst, das zwar grammatisch möglich ist, das aber kein Mensch so verwenden würde. Ein Fachautor würde dieselben Informationen in mehreren vollständigen Sätzen entfalten.
- Formatzwang: Nummerierte Listen mit fett gesetzten Mini-Überschriften, Zwischenüberschriften, die niemand bestellt hat, ein Fazit nach jedem Abschnitt und Ankündigungssätze wie „Schauen wir uns an, ..." oder „Es ist wichtig zu beachten, dass ...", die etwas anmoderieren, statt es zu sagen.
- Fehlende Konkretion: Der Text enthält keine Zahlen an der Stelle der Aussage, keine Eigennamen, keine Beobachtung aus einem konkreten Fall und keine Einschätzung, die erkennbar von einem Autor stammt. Stattdessen stehen dort Plattitüden, die auf jedes Thema passen würden. Diese Schwäche hat sich seit 2024 als einzige nicht verändert, weil sie nicht vom Modell abhängt. Fehlende Informationen kann kein Modell ersetzen, und wo es sie doch ersetzt, erfindet es sie.
Die berühmten KI-Wörter wie „entscheidend", „nahtlos" oder „eintauchen" fehlen in dieser Aufzählung mit Absicht. Natürlich gibt es sie noch. Als Erkennungsmerkmal sind sie allerdings das schwächste Signal, weil sich der Wortschatz mit jeder Modellgeneration verschiebt und weil ein Modell ein verbotenes Wort einfach durch ein ähnliches ersetzt, ohne den Satz anders zu bauen. Die Konstruktionen aus den fünf Punkten sind dagegen seit Jahren stabil, und sie sind das, was ein Leser als „KI-Sprech" wahrnimmt, auch wenn er es selten benennen kann.
Hinweis: Alle wollen KI-Texte schreiben, aber keiner will KI-Texte lesen
Perfekte KI-Texte auf Knopfdruck gibt es nicht. Wer ChatGPT zur Textproduktion einsetzen möchte, sollte sich bewusst werden, dass Texte nur so gut werden können wie die zugrundeliegenden Prompts und Daten. Frei nach dem Motto: Wer Mist eingibt, bekommt Mist heraus. KI beim Texten kann nur gut funktionieren, wenn es ausreichend menschlichen Input gibt.
Beispiel und Analyse eines schlechten Text-Prompts für ChatGPT
Das folgende Beispiel entstand im Dezember 2024 mit der damals aktuellen ChatGPT-Version. Schauen wir uns zuerst eine Textausgabe von ChatGPT zu folgendem Prompt an:
PROMPT
Kreatives Schreiben ist eine Kunst, die oft von außen betrachtet wie ein freier, inspirierter Prozess wirkt. Doch für den Autor selbst ist es häufig ein Kampf, der von inneren und äußeren Hürden geprägt ist. Hier sind einige der typischen Schwierigkeiten, die Autoren beim kreativen Schreiben erleben:
1. Die Angst vor der leeren Seite
Der Beginn eines neuen Textes ist oft die größte Herausforderung. Die leere Seite wirkt einschüchternd, da sie eine Erwartung nach Perfektion
erzeugt. Autoren fragen sich häufig: „Ist diese Idee gut genug? Kann ich sie überzeugend umsetzen?“ Dieses Bedürfnis nach einem perfekten
Einstieg kann dazu führen, dass der Schreibprozess ins Stocken gerät.
2. Selbstzweifel und Perfektionismus
Während des Schreibens kommen oft Gedanken auf, die das eigene Schaffen in Frage stellen: „Ist das wirklich originell?“ „Wird das jemand lesen wollen?“ Perfektionismus kann den kreativen Fluss hemmen, da Autoren oft Sätze oder Abschnitte immer wieder überarbeiten, anstatt den Text voranzutreiben.
3. Fehlende Inspiration
Kreativität ist kein immer verfügbarer Zustand. Manche Tage fühlen sich wie ein kreatives Vakuum an. Autoren müssen lernen, auch dann zu schreiben, wenn die Muse fehlt – eine Fähigkeit, die Zeit, Übung und Disziplin erfordert.
4. Plotprobleme und Logiklücken
Gerade bei längeren Werken wie Romanen geraten viele Autoren in Schwierigkeiten, wenn die Handlung ins Stocken gerät oder unlogisch erscheint. Das Finden eines stimmigen roten Fadens, ohne die Charaktere oder die erzählte Welt zu verraten, ist oft ein zeitraubender Prozess.
5. Die Balance zwischen Originalität und Erwartung
Autoren stehen vor der Herausforderung, originelle Geschichten zu schreiben, die gleichzeitig die Erwartungen der Zielgruppe erfüllen. Ein zu experimenteller Ansatz kann Leser abschrecken, während ein zu vorhersehbarer Plot langweilig wirkt.
6. Externe Ablenkungen
Die moderne Welt bietet unzählige Ablenkungen, von sozialen Medien bis hin zu Alltagsverpflichtungen. Autoren müssen oft einen ruhigen Raum und eine feste Routine schaffen, um produktiv zu sein. Doch selbst dann können äußere Verpflichtungen oder Kritik den Schreibfluss stören.
7. Der Umgang mit Kritik
Nach der Fertigstellung eines Textes folgt eine weitere Herausforderung: der Umgang mit Feedback. Kritische Rückmeldungen können entmutigend sein, besonders wenn der Text das eigene Herzblut widerspiegelt. Gleichzeitig ist es essenziell, Kritik konstruktiv aufzunehmen, um die eigene Arbeit zu verbessern.
Fazit
Kreatives Schreiben ist ein anspruchsvoller Prozess, der sowohl mentale als auch emotionale Stärke erfordert. Trotz der Schwierigkeiten ist es jedoch auch eine lohnende Tätigkeit, die Autoren die Möglichkeit gibt, Welten zu erschaffen und Leser zu inspirieren. Der Schlüssel liegt darin, diese Herausforderungen anzunehmen und sie als Teil des kreativen Prozesses zu verstehen. Nur wer durchhält, kann die Schönheit und Tiefe der eigenen Worte entdecken.
Im Folgenden werde ich aufzeigen, mit welchen Anweisungen ChatGPT den geschriebenen Artikel so verbessert, dass die eingangs und in der Beispielanalyse aufgezeigten Output-Schwächen deutlich reduziert werden.
- Die Perspektive ist nicht eindeutig, so wird zu Anfang eine eher objektive Sicht eingenommen, die „den Autor" und seine Probleme von außen analysiert. Gegen Ende des Textes wird dann aber von der „Schönheit und Tiefe der eigenen Worte" gesprochen. (Diesen Perspektivwechsel produziert die aktuelle Version nicht mehr, ebenso wenig die nummerierte Liste. Plattitüden und Parallelbau sind geblieben.)
- Der gesamte Text ist überflutet von kontextlosen, nichtssagenden Phrasen und Plattitüden, in denen sich auch typische ChatGPT-Topoi wie „Die moderne Welt" wiederfinden. Ansonsten wird von „unzähligen Ablenkungen", „lohnender Tätigkeit", „Welten zu erschaffen" oder dem „perfekten Einstieg" gesprochen. Was all diese Phrasen konkret innerhalb spezifischer Kontexte bedeuten, bleibt völlig unklar.
- Typisch ist auch die nummerierte/geordnete Listenstruktur des ausgegebenen Textes, die im Prompt nicht vorgegeben und implizit nicht so angelegt war, anders als hätte es geheißen: „Nenne 7 Schwierigkeiten beim kreativen Schreiben".
- Auffällig ist ebenfalls die stilistische Wiederholung von Satz- bzw. ganzen Absatzkonstruktionen, so beispielsweise in den ersten beiden Listenpunkten. Beide Absätze sind nahezu identisch konstruiert: [Allgemeine Problemformulierung] > [Praxisbeispiele in Form an sich selbst gerichteter Fragen] > [Folge bzw. Ergebnis des Problems]
Im September 2026 habe ich denselben Prompt der dann aktuellen ChatGPT-Version noch einmal gestellt. Der Anfang und der Schlussabschnitt der Antwort:
Die Schwierigkeiten eines Autors beim kreativen Schreiben
Kreatives Schreiben wirkt von außen oft wie eine Tätigkeit, bei der Ideen möglichst frei zu Papier gebracht werden. Tatsächlich besteht der Schreibprozess jedoch aus einer Vielzahl kleiner Entscheidungen. Ein Autor muss nicht nur wissen, was er erzählen möchte. Er muss gleichzeitig entscheiden, wie er einen Gedanken sprachlich gestaltet, welche Informationen notwendig sind, welche Perspektive er einnimmt und welche Wirkung ein einzelner Satz innerhalb des gesamten Textes entfalten soll.
Eine der größten Schwierigkeiten beginnt bereits vor dem eigentlichen Schreiben: mit der Idee. Ein Thema allein genügt selten. Der Autor muss einen eigenen Zugang finden. Gerade bei häufig behandelten Themen entsteht schnell das Gefühl, dass bereits alles gesagt worden sei. Die Herausforderung besteht deshalb darin, einen Gedanken zu entwickeln, der nicht lediglich Bekanntes wiederholt, sondern eine eigene Perspektive erkennen lässt.
Schreiben bedeutet permanent auswählen
Die eigentliche Schwierigkeit kreativen Schreibens liegt deshalb weniger im Produzieren von Sprache als im Treffen von Entscheidungen.
Ein Autor entscheidet, welchen Gedanken er verfolgt und welchen er verwirft. Er entscheidet, welche Informationen notwendig sind und welche den Text überladen. Er entscheidet sich für eine Perspektive, einen Aufbau, einen Satzrhythmus und schließlich für einzelne Wörter.
Mit jeder Entscheidung verschwinden gleichzeitig andere Möglichkeiten.
Genau deshalb kann Schreiben anstrengend sein. Vor einem leeren Dokument existieren theoretisch unendlich viele Varianten eines Textes. Mit jedem geschriebenen Satz wird dieser Möglichkeitsraum kleiner. Gleichzeitig entsteht etwas Konkretes, das überprüft, verändert und verbessert werden kann.
Der erste Entwurf löst dieses Problem deshalb nicht. Er macht es lediglich sichtbar.
Erst beim Überarbeiten erkennt ein Autor, wo Gedanken unklar geblieben sind, wo der Text zu vorhersehbar wird oder wo eine Formulierung zwar elegant klingt, aber nichts Wesentliches sagt. Kreativität besteht dann nicht mehr darin, möglichst viele Ideen hervorzubringen, sondern darin, die richtigen auszuwählen.
Das vielleicht schwierigste Element kreativen Schreibens ist daher die Fähigkeit, sich von eigenen Einfällen wieder zu trennen. Nicht jede interessante Beobachtung gehört in den Text. Nicht jeder schöne Satz muss erhalten bleiben. Und nicht jeder ursprüngliche Gedanke erweist sich während des Schreibens als tragfähig.
Ein guter Text entsteht deshalb selten dadurch, dass einem Autor von Anfang an die richtigen Worte einfallen. Er entsteht vielmehr in einem Prozess aus Denken, Schreiben, Verwerfen, Präzisieren und erneutem Schreiben.
Gerade darin liegt die eigentliche kreative Arbeit.
Der Vergleich mit 2024 zeigt, wie sich die Muster in zwei Jahren verschoben haben. Mit 968 Wörtern ist die Antwort mehr als doppelt so lang wie damals (419 Wörter). Die nummerierte Liste ist verschwunden, die Perspektive bleibt durchgehend bei „dem Autor", und die kitschigsten Wendungen von 2024 („Welten zu erschaffen", „Herzblut") kommen nicht mehr vor. An ihre Stelle sind allerdings die Konstruktionen getreten, die oben als Muster von 2026 beschrieben sind. Das Modell gliedert den Text ungefragt mit einer Hauptüberschrift und fünf Zwischenüberschriften. Acht der 31 Absätze bestehen aus einem einzigen Satz und dienen als Pointe („Genau darin liegt jedoch auch eine Gefahr.", „Mit jeder Entscheidung verschwinden gleichzeitig andere Möglichkeiten.", „Gerade darin liegt die eigentliche kreative Arbeit."). Viermal wird eine Aussage über eine Gegenüberstellung aufgebaut („nicht lediglich Bekanntes wiederholt, sondern ...", „weniger im Produzieren von Sprache als im Treffen von Entscheidungen"), dreimal beginnt ein Satz mit „Genau", und die Anapher tritt gleich in drei Serien auf („Nicht jede ..., nicht jeder ..., und nicht jeder ...", „Er entscheidet ..., er entscheidet ..., er entscheidet sich ...", „Ein Essay erlaubt ..., ein Fachartikel verlangt ..., eine Reportage benötigt ..., ein Kommentar braucht ..."). Konkrete Informationen fehlen weiterhin vollständig, denn der Prompt hat auch 2026 keinen Kontext geliefert. Erkennbar bleibt der Text also, allerdings an anderen Merkmalen als vor zwei Jahren.
Tipps für besseres Text-Prompting mit Beispiel
Im Folgenden werde ich aufzeigen, mit welchen Anweisungen ChatGPT den geschriebenen Artikel so verbessert, dass die eingangs und in der Beispielanalyse aufgezeigten Output-Schwächen deutlich reduziert werden.
Als erstes beginne ich einen neuen Chat, damit weder frühere Anweisungen noch gespeicherte Erinnerungen den Output beeinflussen.
Nun nehme ich den Ausgangsprompt und modifiziere diesen durch Anweisungen, die Struktur bzw. Formatierung betreffen.
PROMPT
Strukturiere den Text nicht als nummerierte Liste. Verfasse stattdessen einen Fließtext, der einen harmonischen Lesefluss und narrative Dynamik durch Textkohäsion sicherstellt.
Das kreative Schreiben ist ein Prozess, der sowohl faszinierend als auch herausfordernd ist. Für viele Autoren liegt die Schwierigkeit nicht nur darin, Ideen zu finden, sondern diese auch in Worte zu fassen, die den Leser berühren und überzeugen. Oft beginnt der Kampf mit der leeren Seite, die wie eine stille Aufforderung zur Perfektion wirkt. Sie scheint den Autor daran zu erinnern, dass jede Geschichte irgendwo ihren Anfang nehmen muss, und doch ist genau dieser erste Satz oft der schwierigste. Der Druck, etwas Originelles und zugleich Eingängiges zu schaffen, kann überwältigend sein. Selbst wenn der Einstieg geschafft ist, lauern andere Hindernisse. Der kreative Prozess ist häufig begleitet von Selbstzweifeln, die wie ungebetene Gäste immer wieder auftauchen. Ist diese Idee gut genug? Wird der Text den Leser fesseln oder in der Flut der Worte untergehen? Diese Fragen zerren am Selbstbewusstsein und führen oft zu einem lähmenden Perfektionismus. Immer wieder überarbeitet man einzelne Sätze, feilt an Formulierungen, und ehe man es bemerkt, ist der Fluss der Geschichte ins Stocken geraten. Das Schreiben wird zur mühseligen Aufgabe, anstatt eine kreative Befreiung zu sein. (…)
Wie zu lesen ist, haben wir es durch nur eine Anweisung vollbracht, Struktur bzw. Formatierung und Lesefluss entsprechend unserer Angaben zu ändern. Am Ende sind wir damit aber noch nicht. Auf formaler Ebene ist der neue Output-Text zwar (entsprechend unserer Vorgabe) besser, wenn auch noch nicht gänzlich zufriedenstellend, da noch immer viele ähnliche oder identische Konstruktionen zu finden sind.
Ferner ist der Text inhaltlich von allerlei Schwafelei ohne eigentliche Information gekennzeichnet. Dies liegt vor allem darin begründet, dass auch der neue Prompt keinen konkreten Kontext vorgegeben hat.
Der gesamte Text ist daher, streng genommen, lediglich eine Ansammlung unterschiedlicher Formulierungen für die Aussage „Kreatives Schreiben ist schwierig", zum Beispiel:
Das kreative Schreiben ist ein Prozess, der sowohl faszinierend als auch herausfordernd ist. Der kreative Prozess ist häufig begleitet von Selbstzweifeln. [Kreatives Schreiben] beginnt (...) mit der leeren Seite, die wie eine stille Aufforderung zur Perfektion wirkt. [Beim kreativen Schreiben] überarbeitet man einzelne Sätze, feilt an Formulierungen (..)
Wir verändern unseren letzten Prompt also noch einmal.
Prompt-Anpassung 2:
PROMPT
Die Arbeit einer Texterin, die regelmäßig die Anforderungen des kreativen Schreibens mit den strengen Rahmenbedingungen von NLP-Vorgaben und Marketingstrategien vereinen muss, gleicht einer Gratwanderung zwischen Struktur und Inspiration. Sie ist ständig gefordert, die Grenzen ihrer Kreativität mit algorithmischen Erwartungen in Einklang zu bringen, ohne dabei die menschliche Komponente zu verlieren, die ein überzeugender Text benötigt. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, eigene Gedanken und kreative Ansätze in Texte einzubringen, die stark von datengetriebenen Vorgaben bestimmt werden. Die Freiheit des Schreibens wird oft von Keyphrase-Dichte, Tonalität und semantischer Ausrichtung eingeschränkt, sodass sich originelle Ideen durch ein engmaschiges Netz aus Regeln zwängen müssen. Zusätzlich wird der Prozess durch die unverzichtbare Recherchearbeit erschwert. Informationen, die fundiert und zugleich ansprechend sind, müssen nicht nur gefunden, sondern auch bewertet, ausgewählt und interpretiert werden. Es genügt nicht, bloß Fakten zu sammeln; diese müssen in eine narrative Struktur eingebettet werden, die sowohl Leserinteresse weckt als auch Suchmaschinen gerecht wird. Häufig entsteht dabei ein Spannungsfeld: Einerseits die notwendige Präzision und Tiefe, andererseits die klare Ausrichtung auf den gewünschten Marketingzweck. Ein weiterer Balanceakt ist der Umgang mit dem eigenen Stil. Persönliche Ausdrucksformen, die der Texterin eine unverkennbare Stimme verleihen, drohen oft im Versuch verloren zu gehen, die strengen Vorgaben zu erfüllen. Die Herausforderung liegt darin, sowohl algorithmische Präferenzen als auch die Lesererwartungen zu bedienen, ohne dabei die Authentizität des Textes zu opfern. Es ist ein ständiges Ausloten von Freiräumen, in denen sich kreative Impulse entfalten können, während sie gleichzeitig innerhalb der Grenzen eines optimierten Textes bleiben. Die Entscheidung für ein Format stellt eine zusätzliche Schwierigkeit dar. Jedes Textformat hat spezifische Anforderungen, die den Stil, die Struktur und die Informationsvermittlung prägen. Soll ein Blogartikel emotional ansprechen oder ein sachlicher Leitfaden präzise informieren? Jedes Ziel erfordert eine andere Herangehensweise, die wiederum die Wortwahl und den sprachlichen Rhythmus beeinflusst. Diese Entscheidungen bestimmen maßgeblich, wie gut ein Text seine Funktion erfüllt, und verlangen sowohl strategisches Denken als auch literarisches Geschick. (…)
Grundsätzlich geht dieser Text nun in die richtige Richtung, denn es wurden all unsere Vorgaben umgesetzt. Die vorgegebenen Themen wurden behandelt, sprachlich ist durchaus Variabilität festzustellen.
Vor allem aber würde kaum noch jemand diesen Text ad hoc als KI-Text identifizieren. Trotzdem mangelt es diesem Text noch immer an konkreten Informationen und Authentizität. Niemand, der sich mit dem vorgegebenen Thema beschäftigt und praktische Erfahrungen hat, würde diesen Text wohl so schreiben, wie ihn ChatGPT formuliert hat. Es werden zwar einige Fachbegriffe verwendet wie „algorithmisch", insgesamt kann man diesem Text aber leider noch immer das Attribut „Blabla" bzw. „viele Worte um Nichts" attestieren.
Um diese Schwäche des Output-Textes anzugehen, braucht unser Prompt noch genaueren Kontext und höhere Spezifität.
Ein Wort noch zu den drei Wiederholungsregeln in diesem Prompt. Sie leisten, was sie sollen, denn der Text wiederholt tatsächlich kaum noch Satzanfänge oder Phrasen. Menschlicher ist er dadurch aber nicht geworden, sondern lediglich abwechslungsreicher im Wortschatz. Ein Modell, das ein Wort nicht wiederholen darf, weicht auf ein Synonym aus, und genau diese Synonym-Rotation ist selbst ein bekanntes KI-Muster. Im Output oben heißt dieselbe Sache nacheinander „Gratwanderung", „Herausforderung", „Balanceakt" und „Spannungsfeld". Am Satzbau hat sich derweil nichts geändert. 13 von 17 Sätzen beginnen mit dem Subjekt, von den übrigen vier beginnen zwei mit einem Adverb, einer mit „Es", und einer ist eine Frage. Fast jeder Absatz endet zudem mit einer bildhaften Zuspitzung („durch ein engmaschiges Netz aus Regeln zwängen", „eine Gratwanderung zwischen Struktur und Inspiration"). Wortregeln greifen also nur auf der Wortebene. Für den Satzbau und die Verbindung der Sätze braucht der Prompt deshalb eigene Anweisungen.
Prompt-Anpassung 3:
PROMPT
Das kreative Schreiben erfordert von Texterinnen, die NLP-Vorgaben und Marketingziele vereinen müssen, eine präzise Balance zwischen analytischem Denken und sprachlicher Kreativität. Die Herausforderung beginnt bei der Tokenisierung, die Sprache in kleinste Einheiten zerlegt. Eigene Gedanken und originelle Ideen müssen diesen technischen Vorgaben standhalten, ohne ihren menschlichen Kern zu verlieren. Worte werden zu Datenpunkten, doch ihre emotionale Wirkung bleibt essenziell. Ein zentraler Aspekt bei jeder Textaufgabe ist die Recherche. Named Entity Recognition und Part-of-Speech-Tagging helfen, relevante Begriffe und Strukturen zu identifizieren, doch die Texterin trägt die Verantwortung, Inhalte korrekt zu interpretieren und kreativ zu integrieren. „Bei der Erstellung von Briefings für Texter sollten SEOs versuchen, die wichtigsten Attribute einer Entität zu verstehen und dem Texter zu vermitteln“, betont Koray Tugberk. Ohne klare Leitlinien wird die Informationsfülle überwältigend. Auch der eigene Schreibstil gerät unter Druck. Lemma-Reduktion und Stemming beschränken die Ausdrucksmöglichkeiten, da Worte oft auf ihre Grundformen reduziert werden. Hier gilt es, die Balance zwischen persönlicher Note und algorithmischer Lesbarkeit zu wahren. Texte sollen begeistern und zugleich maschinellen Anforderungen entsprechen – eine Gratwanderung zwischen Kunst und Technik. Die Entscheidung für das passende Textformat wiederum verstärkt des Textes Komplexität. Blogartikel, Leitfäden oder Produktbeschreibungen folgen eigenen Regeln, die Syntax-Parsing und Dependency-Parsing beeinflussen. Das gewählte Format legt fest, wie Inhalte strukturiert und präsentiert werden müssen, um sowohl Leser als auch Algorithmen zu überzeugen. Schließlich bleibt die Wortwahl eine ständige Herausforderung. Begriffe, die für Conversion entscheidend sind, müssen sowohl semantisch präzise als auch suchmaschinenfreundlich gewählt werden. Jede Entscheidung zwischen kreativer Freiheit und technischer Notwendigkeit fordert das Können der Texterin heraus, die mit Sprache nicht nur Informationen vermittelt, sondern Welten erschafft.
Das liest sich doch schon ganz anders als der erste Textversuch. Zwar ist auch dieses Ergebnis noch nicht perfekt, aber er könnte die Basis sein für eine nun rein manuelle „Weiterverarbeitung“, beispielsweise indem:
- Beispiele und Erfahrungen aus der eigenen Praxis hinzugefügt werden, um Hürden bei Formulierungen durch Lemma-Reduktion und Stemming zu veranschaulichen
- Muster-Textformate für verschiedene Texttypen wie Produktbeschreibungen hinzugefügt werden
- Regeln für ein perfektes Texterbriefing nach semantischen Vorgaben aufgestellt werden
- U. s. w.
Prompt-Anpassung 4: Satzbau vorgeben statt Wörter verbieten
Der dritte Prompt hat den Inhalt in den Griff bekommen. Fachbegriffe, Zitat, Zielgruppe und Länge sind gesetzt, und der Text ließe sich als Basis weiterverwenden. Was der Prompt nicht regelt, ist die Art, wie die Sätze gebaut und miteinander verbunden werden. Genau dort sitzt aber das, was ein Leser als KI-Sprech empfindet. Die vierte Anpassung ergänzt den Prompt deshalb um Anweisungen zum Satzbau und zur Satzverbindung:
PROMPT
- Beginne höchstens jeden zweiten Satz mit dem Subjekt. Stelle sonst eine Zeitangabe, eine Präpositionalgruppe („Bei der Recherche ...", „Für die Wortwahl ...") oder einen Nebensatz („Sobald das Format feststeht, ...") an den Satzanfang.
- Knüpfe jeden Satz an den vorherigen an, indem du eine Information daraus aufgreifst („dadurch", „diese Vorgabe", „aus diesem Grund"). Verwende keine Überleitungen wie „darüber hinaus", „zudem" oder „des Weiteren".
- Beende jeden Absatz mit einer Begründung, einer Einschränkung oder einer Folge, nie mit einer kurzen Zuspitzung.
- Verwende keinen Satz nach dem Muster „nicht X, sondern Y" und keinen Doppelpunkt, hinter dem eine Schlussfolgerung steht.
- Setze keine Gedankenstriche. Einschübe stehen in Klammern oder in einem eigenen Satz.
- Formuliere jede Information in einem eigenen vollständigen Satz. Fasse nicht mehrere Aussagen in einem abstrakten Substantiv oder in einer Apposition am Satzende zusammen.
- Verwende für denselben Sachverhalt im ganzen Text denselben Begriff. Bilde keine Synonyme, um Wiederholungen zu vermeiden.
- Lege dich fest. Formuliere keine Sätze nach dem Muster „einerseits ..., andererseits ..." ohne anschließendes Urteil.
Die erste Anweisung betrifft die Stelle vor dem gebeugten Verb, die in der Grammatik Vorfeld genannt wird. Dort kann im Deutschen fast jedes Satzglied stehen, und menschliche Autoren nutzen diese Freiheit ständig, meist ohne darüber nachzudenken. In meinen eigenen Fachtexten steht in knapp der Hälfte aller Aussagesätze etwas anderes als das Subjekt am Anfang, etwa eine Zeitangabe, eine Präpositionalgruppe oder ein Rückverweis auf den vorherigen Satz. ChatGPT beginnt dagegen fast jeden Satz mit dem Subjekt, wenn es nicht anders angewiesen wird. Diese Gleichförmigkeit fällt beim Lesen stärker auf als jedes einzelne KI-Wort, weil sie den Rhythmus des gesamten Textes bestimmt.
Die zweite Anweisung zielt auf die Verbindung der Sätze. Ein menschlicher Text hängt über Rückverweise zusammen: Ein Satz greift eine Information des vorherigen auf und entwickelt sie weiter, und der Leser folgt dieser Kette, ohne die Übergänge zu bemerken. KI-Texte simulieren diesen Zusammenhang mit additiven Überleitungen. „Darüber hinaus" und „zudem" behaupten eine Verbindung, ohne sie herzustellen. Solche Texte lesen sich deshalb wie eine Folge einzelner Bausteine, auch wenn jeder Satz für sich korrekt ist.
Die Anweisungen zu Absatzschluss, Doppelpunkt und „nicht X, sondern Y" richten sich gegen die rhetorische Zuspitzung. Alle drei Figuren sind in menschlichen Texten belegt und in Maßen völlig unauffällig. ChatGPT verwendet sie allerdings als Schema, also in jedem zweiten Absatz, und an dieser Regelmäßigkeit erkennt man den Text. Wer dem Modell stattdessen vorgibt, einen Absatz mit einer Begründung oder Einschränkung zu beenden, erhält Absätze, die einen Gedanken zu Ende führen, bevor der nächste beginnt.
Die letzten drei Anweisungen betreffen die Informationsdichte und die Begriffsdisziplin. Sprachmodelle neigen dazu, möglichst viele Aussagen in wenige Wörter zu packen, etwa durch abstrakte Substantive („eine präzise Balance zwischen analytischem Denken und sprachlicher Kreativität") oder durch Appositionen am Satzende. Menschliche Fachautoren entfalten dieselben Informationen in mehreren Sätzen, und sie behalten für einen Sachverhalt einen Begriff bei. Ein Autor mit Praxiserfahrung würde in unserem Beispiel von einem konkreten Problem sprechen und es beim Namen nennen, statt es viermal zu umschreiben.
Mit diesem Prompt hat die aktuelle ChatGPT-Version im September 2026 den folgenden Text geliefert:
Semantisches Schreiben beginnt für eine Texterin selten mit einem freien Gedanken. Bei jeder Aufgabe steht ein Briefing im Raum, das Themen, Entitäten, Suchintentionen und Conversionziele vorgibt. Diese Vorgabe begrenzt eigene Gedanken, obwohl gerade sie einen Text interessant machen. Sobald eine eigene These entsteht, muss die Texterin prüfen, ob sie den semantischen Fokus stärkt, weil kreative Freiheit sonst gegen die NLP-Vorgaben arbeitet. Bei der Informationsrecherche verschärft sich dieses Problem. Die Texterin muss Quellen so auswählen, dass Attribute einer Entität belegt werden können. Aus diesem Grund ist Koray Tugberks Hinweis relevant: „Bei der Erstellung von Briefings für Texter sollten SEOs versuchen, die wichtigsten Attribute einer Entität zu verstehen und dem Texter zu vermitteln." Diese Attribute bestimmen, welche Informationen im Text benötigt werden. Bei der Named Entity Recognition werden darin Entitäten erkannt. Aus diesem Bezug folgt für die Recherche, dass Informationen korrekt und semantisch anschlussfähig sein müssen, weil der Text sonst am Themenmodell vorbeischreibt. Sobald das Material steht, beginnt die Arbeit am eigenen Schreibstil. Die Tokenisierung zerlegt den Text in Einheiten. Bei der Lemmatisierung wird eine Wortform auf ihr Lemma zurückgeführt. Das Stemming reduziert Wortformen dagegen algorithmisch auf einen Stamm. An diesen Verfahren zeigt sich, wie stark die Wortwahl strukturell wirkt. Beim Part-of-Speech-Tagging erhalten Wörter ihre grammatische Kategorie. Dadurch kann eine stilistisch elegante Formulierung für ein NLP-System ungünstig sein, wenn wichtige Begriffe zu indirekt erscheinen. Für den Satzbau wird diese Spannung konkreter. Das Syntax-Parsing analysiert die grammatische Struktur eines Satzes. Beim Dependency-Parsing werden Abhängigkeiten zwischen Wörtern abgebildet. Aus diesen Beziehungen ergibt sich, wie eindeutig Attribute und Entitäten verknüpft sind. Bei verschachtelten Sätzen muss die Texterin entscheiden, ob stilistische Komplexität die Aussage präzisiert, weil sie sonst die maschinelle Interpretierbarkeit erschweren kann. Sobald das Textformat feststeht, verschiebt sich die Schwierigkeit zur Conversion. Ein Ratgeber, eine Produktseite oder eine Landingpage erzeugt eine andere Erwartung an Informationsdichte und Handlungsorientierung. Von dieser Erwartung hängt die Wortwahl ab, denn kaufnahe Begriffe müssen fachlich legitimiert sein. Für die Texterin liegt die kreative Leistung deshalb darin, NLP-Vorgaben, eigenen Schreibstil und Marketingziel zusammenzuführen, weil semantisches Schreiben nur funktioniert, wenn maschinelle Verständlichkeit und menschliche Überzeugung denselben Text tragen.
Formal hat das Modell alle acht Regeln umgesetzt, und das mit 2.686 Zeichen innerhalb der Längenvorgabe. Nur 8 der 26 Sätze beginnen mit dem Subjekt, jeder Absatz endet mit einer Begründung oder Bedingung, und weder Gedankenstriche noch „nicht X, sondern Y" noch additive Überleitungen kommen vor. Die Texterin heißt durchgehend Texterin, und die Rückverweise („Diese Vorgabe", „dieses Problem", „Aus diesem Grund", „Dadurch") verketten die Sätze tatsächlich. Auffällig ist allerdings, was das Modell aus den Regeln gemacht hat. Sieben Sätze beginnen mit „Bei ...", drei mit „Sobald ...", drei mit „Aus diesem ...", und vier von fünf Absätzen enden mit einem „weil ..."-Satz. Aus jeder Regel ist ein neues Schema geworden, das ein aufmerksamer Leser nach dem dritten „Bei der ..." ebenso bemerkt wie vorher die Subjekt-Sätze. Einige Rückverweise sind zudem nur der Form nach welche und zeigen ins Leere („Bei der Named Entity Recognition werden darin Entitäten erkannt", „Aus diesem Bezug folgt ..."), und inhaltlich bleibt der Text so abstrakt wie seine Vorgänger („An diesen Verfahren zeigt sich, wie stark die Wortwahl strukturell wirkt").
Dieses Ergebnis zeigt, woran Satzbau-Regeln im Prompt scheitern, wenn sie ohne Maß kommen. Ein menschlicher Autor stellt in etwa der Hälfte seiner Sätze das Subjekt nach vorn und in der anderen Hälfte etwas anderes, und zwar ohne erkennbares System. Ein Modell, das die Regel „höchstens jeden zweiten Satz" bekommt, erfüllt sie mit sieben „Bei"-Sätzen und produziert damit die Karikatur eines variierten Satzbaus. Die Regeln müssten also um Dosierungen ergänzt werden, etwa „nicht zweimal in Folge dieselbe Präposition am Satzanfang" oder „höchstens zwei Absätze mit einem weil-Schluss". Woher diese Werte kommen sollen, kann der Prompt allerdings nicht beantworten. Sie stammen aus der Analyse echter Texte, also aus einer Arbeit, die vor dem Prompt liegt. Hinzu kommt, dass der Text auch in dieser Fassung ein generischer Text bleibt. Er klingt nach niemand Bestimmtem, denn der Prompt beschreibt bislang nur, was zu vermeiden ist, und nicht, wie ein konkreter Mensch schreibt.
Eigene Texte als Stilprobe mitgeben
Der nächstliegende Schritt ist deshalb, ChatGPT eigene Texte als Vorlage zu geben. Zwei oder drei Absätze aus einem selbst geschriebenen Blogartikel oder einer Broschüre genügen, um den Prompt mit einer konkreten Stimme zu versehen, und die aktuellen Modelle greifen solche Proben zuverlässig auf. In ChatGPT lassen sich derartige Vorgaben zudem dauerhaft hinterlegen, etwa in einem Projekt oder in den benutzerdefinierten Anweisungen, sodass sie nicht mit jedem Prompt erneut eingefügt werden müssen.
Dabei sind zwei Dinge zu beachten. Zum einen kopiert das Modell aus einer Stilprobe vor allem das, was leicht zu kopieren ist, also Wörter, Anrede und Tonfall. Den Satzbau übernimmt es nur zum Teil, und wenn der Prompt gleichzeitig Wortverbote enthält, setzen sich in meiner Erfahrung die Verbote durch. In meinen eigenen Tests hielten die Modelle sämtliche Verbote zuverlässig ein und klangen trotzdem nicht nach mir. Zum anderen taugt nicht jeder Text unter dem eigenen Namen als Stilprobe. Ein Artikel, den eine Agentur geschrieben oder eine Redaktion redigiert hat, bildet fremde Stilmerkmale ab. Ein Text, der selbst schon mit KI-Unterstützung entstanden ist, bringt genau die Muster zurück, die der Prompt vermeiden soll. Als Probe eignen sich deshalb nur Texte, deren Formulierungen sicher vom Autor selbst stammen.
Fertige KI-Texte mit einem Humanizer nachbearbeiten
Häufig liegt der KI-Text bereits vor, und die Frage lautet dann, wie er sich nachträglich menschlicher machen lässt. Für diesen Zweck kursieren inzwischen zahlreiche „Humanizer", also Skills oder Prompt-Sammlungen, die einen fertigen Text von KI-Mustern befreien sollen. Die meisten davon stammen aus dem englischen Sprachraum und bestehen im Kern aus einer Wortverbotsliste. Auf deutsche Texte übertragen, funktioniert das nur bedingt, weil die Listen die englische Grammatik voraussetzen und weil ein Modell verbotene Wörter, wie oben gezeigt, einfach durch ähnliche ersetzt.
Eine Ausnahme ist das Open-Source-Projekt humanizer-de auf GitHub. Es arbeitet mit einem Katalog von derzeit 72 Mustern in zehn Kategorien, der auf den Wikipedia-Leitlinien zu KI-generierten Inhalten aufbaut und speziell für deutsche Texte erweitert wurde. Anders als eine bloße Wortliste erfasst dieser Katalog auch Satzbau und Textstruktur, etwa gleichförmigen Satzrhythmus, gestapelte Abstrakta, Synonym-Rotation oder mechanische Überleitungen. Der Skill prüft einen Text zunächst gegen diese Muster, sichert Zahlen, Namen und Zitate und schreibt anschließend nur die Stellen um, an denen er tatsächlich Muster gefunden hat. Wer zwei oder drei Absätze eigenen Texts als Stilprobe mitgibt, erhält zudem eine Fassung, die sich an Satzrhythmus und Wortwahl dieser Probe orientiert. Installiert wird humanizer-de als Plugin für Codex (Bestandteil der ChatGPT-Desktop-App) oder für Claude Code, außerdem lässt es sich in Claude im Browser verwenden.
So nützlich ein derartiger Prüfdurchgang ist, seine Aufgabe bleibt begrenzt. Ein Humanizer erkennt und entfernt die Muster, die nach Maschine klingen. Woran ein konkreter Autor zu erkennen wäre, weiß er dagegen nicht, denn diese Information steht in keinem Musterkatalog. Das Projekt selbst formuliert diese Grenze ausdrücklich: Bei einer stark etablierten Autorenstimme sei Zurückhaltung nötig, und das optionale Stilprofil des Skills speichert dementsprechend nur Korridorwerte für einzelne Kennzahlen und keine Textproben. Wer also nicht nur weniger maschinell, sondern erkennbar nach sich selbst klingen möchte, braucht dafür ein Positivprofil des eigenen Stils.
Wo das Prompting an seine Grenze kommt
Alle bisherigen Anweisungen haben eines gemeinsam: Sie beschreiben, was ein Text vermeiden soll, oder sie geben ihm ein paar Proben zum Nachahmen. Was sie nicht enthalten, ist eine Beschreibung der Konstruktionen, die ein konkreter Autor tatsächlich verwendet, welche Funktion diese erfüllen, wie häufig sie vorkommen und in welchen Textsorten. Ein Prompt kann diese Information kaum aufnehmen, denn sie entsteht erst aus der Analyse mehrerer eigener Texte, getrennt nach Blogartikel, E-Mail oder LinkedIn-Post, und sie umfasst schnell mehrere Seiten an Regeln, Belegen und Gegenbeispielen.
Für diesen Schritt habe ich eine linguistische Methodik entwickelt, die den eigenen Schreibstil von der Wortbildung über die Satzstellung bis zur Verbindung der Sätze untersucht und daraus ein prüfbares Stilprofil ableitet. Das Profil läuft als Skill in Codex, gibt dem Modell zuerst die positiven Regeln vor und schaltet die Verbotsliste erst als letzten Prüfdurchgang nach. Die vollständige Methodik, von der Korpusbereinigung bis zur Prüfung des fertigen Profils, steht in meinem Artikel Mit ChatGPT Texte im eigenen Schreibstil erstellen zusammen mit einem neutralen Codex-Skill zum Download.
Zusammenfassung: die Prompting-Tipps für menschlichere KI-Texte
Fassen wir zusammen. Dies sind die konkreten Prompting-Tipps für menschlichere KI-Texte, Stand 2026:
- Zweck, Kontext und Zielgruppe des Textes stehen im Prompt. Ohne diese Angaben erzeugt jedes Modell Plattitüden, die auf jedes Thema passen.
- Fachbegriffe, Zitate und Quellen werden vorgegeben. Sie erhöhen die Spezifität und verhindern, dass das Modell Belege erfindet.
- Die Textstruktur wird festgelegt, insbesondere Fließtext statt Liste, wo der Inhalt es verlangt.
- Anweisungen zum Satzbau ersetzen Wortverbote: variierte Satzanfänge, Rückverweise statt additiver Überleitungen, Absatzschluss mit Begründung statt Pointe, ein Begriff je Sachverhalt, jede Information in einem eigenen Satz. Ohne Dosierung macht das Modell aus jeder dieser Regeln ein neues Schema.
- Eigene Texte dienen als Stilprobe, aber nur solche, deren Formulierungen sicher vom Autor stammen.
- Fertige KI-Texte lassen sich mit einem Humanizer wie humanizer-de von KI-Mustern befreien. Der Humanizer entfernt Maschinelles, ersetzt aber kein Stilprofil.
- Mehrere Anpassungsrunden bleiben nötig, und selbst der beste Prompt erzeugt nur eine Basis. Beispiele und Erfahrungen aus der eigenen Praxis kommen weiterhin von Hand hinzu.
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